AdresseDorfstraße 21
OrtSchönwalde-Dorf
Verlegedatum24.09.2026
Geboren06.07.1926
Gestorben26.12.1938
Landesanstalt Görden

Gertrud wurde am 6. Juli 1926 geboren, zwei Monate später erfolgte ihre Taufe. 

Ihr Vater, Otto Schwanebeck, war mit 5 Geschwistern in Schönwalde aufgewachsen, wo seine Familie seit Generationen ansässig war. Er war als Waldarbeiter tätig und stand vermutlich, so wie viele Familienmitglieder seit Generationen, im Dienst des Gutsbesitzers von Risselmann.

Gertruds Großvater, Karl, geb. 1865, war seit seinem 18. Lebensjahr im Dienst des Rittergutes. Er war u.a. als Kutscher tätig und wurde 91 Jahre alt. Vielen im Dorf war sein Spitzname „Nauke“ bekannt.

Ihre Mutter, Frieda Ortmann, kam aus Spandau. Dort heiratete das junge Paar am 25. März 1925 – sie war 19, er 25 Jahre alt.

Die Eltern lebten in der Dorfstraße 21 in Schönwalde. Sie bekamen im Laufe ihrer Ehe noch weitere 4 Kinder, von denen allerdings zwei nur wenige Tage alt wurden. Die anderen beiden Kinder waren

  • Margarete. Sie wurde am 26. September 1927 geboren und 
  • Wally. Sie wurde am 20. August 1933 geboren.

Gertrud wurde 1932 oder 33 in Schönwalde eingeschult, und bald wurde eine verzögerte geistige Entwicklung diagnostiziert. 

Am 1. November 1934, also mit 8 Jahren, wurde Gertrud in die Brandenburgische Landesanstalt (Wilhelmsstift) in Potsdam eingewiesen. Hier heißt es in den Akten: „Angeborener mongoloider Schwachsinn“ [1]

Am 28. März 1935 kam Gertrud S. für mehrere Monate zurück zu ihren Eltern, wurde jedoch bereits am 3. Dezember 1935 in der Brandenburgischen Landesanstalt in Lübben untergebracht. „Sie kann nicht schreiben und besucht die Anstaltsschule mit nur mäßigen Fortschritten …“, so ist den Akten zu entnehmen. 

1937 kam sie zu Urlaubszwecken nach Hause und erhielt 1938 ein Paket zum Geburtstag. Am 15. Juni 1938 wurde sie „aus äußeren Gründen“ in die Landesanstalt Görden bei Brandenburg/ Havel verlegt. In den Akten heißt es:

„Magen-Darm-Entzündung im Juli 1938, 5. Dezember 1938 Diphterie-Schutzimpfung, 7. Dez. 1938 Zustand verschlechtert sich, dann Sektion der am 26.12.1938 Verstorbenen, Todesursache: „Herdpneumonien“.[2]

Gertrud S. wurde am 30. Dezember 1938 in einem Anstaltssarg in Görden beerdigt.[3]

Die Landesanstalt Görden wurde seit November 1938 von dem Mediziner Dr. Hans Heinze geleitet, der Gertrud bereits in Potsdam kennengelernt haben muss, denn er war während Gertruds Aufenthalt dort der Direktor. Heinze hatte sich bereits zu Studienzeiten mit der Thematik „Euthanasie und Lebenserhaltung“ befasst, war seit 1933 NSDAP-Mitglied. Unter Heinzes Leitung, so ist nachgewiesen, entwickelte sich die Landesanstalt Görden in den Folgejahren zu einer der wichtigsten Institutionen für die systematischen Verbrechen an Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen mit körperlichen und geistigen Behinderungen. 


[1] Die heutige Bezeichnung dafür lautet: „Trisomie 21“
[2] Lungenentzündung
[3] alle Gertrud betreffenden Zuschreibungen u. medizinischen Befunde sind Angaben aus dem Brandenburgischen Landeshauptarchiv

Weitere Quellen:
Pfarramt Schönwalde; Chronik Schönwalde, Band 1; Stadtarchiv Falkensee; RAA-Geschichtswerkstatt Zeitlupe/überLebenswege.